Koreanische Sonnencreme in der EU: Warum sich EU-Versionen von der Korea-Version unterscheiden können

Strohhut, Sonnenbrille und weiße Sonnencreme

Koreanische Sonnencremes haben in den letzten Jahren eine beeindruckende Fangemeinde aufgebaut: Leicht, ohne Weißfilm, angenehm unter Make-up.

Dieser Beitrag gehört zu unserem Guide zu koreanischer Sonnencreme. Dort findest du alle Themen rund um Korean Sunscreen auf einen Blick.

Wer sich etwas tiefer einliest, stößt aber schnell auf verwirrende Aussagen: "Die EU-Version ist anders als die aus Korea", "In Europa darf der Filter nicht verkauft werden" oder "Nur die Korea-Version ist das Original".

Was stimmt davon? In diesem Artikel erklären wir dir verständlich, wie Sonnenschutz in der EU und in Korea reguliert wird, warum es tatsächlich Unterschiede geben kann, was sich 2025 geändert hat und worauf du beim Kauf achten solltest.

Kurz gesagt

In der EU dürfen nur UV-Filter verwendet werden, die in Anhang VI der EU-Kosmetikverordnung gelistet sind, und nur bis zur jeweils erlaubten Höchstkonzentration.

Korea hat eine eigene Liste mit teils anderen Filtern und Grenzwerten. Deshalb kann eine koreanische Sonnencreme für den EU-Markt anders formuliert sein.

Seit 2025 gelten in der EU zum Beispiel strengere Grenzen für Homosalat (maximal 7,34 %, nur noch in Gesichtsprodukten).

Außerdem gelten in der EU eigene Anforderungen an den UVA-Schutz (UVA-Logo), während Korea mit dem PA-System arbeitet.

Eine EU-Version ist nicht "schlechter", sondern an EU-Recht angepasst. Achte beim Kauf auf eine EU-konforme Kennzeichnung.


Wie Sonnenschutz in der EU geregelt ist

In der EU sind Sonnenschutzmittel Kosmetika. Maßgeblich ist die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, kurz EU-Kosmetikverordnung. Einige Grundregeln sind für unser Thema besonders wichtig:

Positivliste für UV-Filter: UV-Filter dürfen nur verwendet werden, wenn sie in Anhang VI der Verordnung aufgeführt sind. Dort stehen auch Höchstkonzentrationen und besondere Bedingungen.

Verantwortliche Person in der EU: Jedes Kosmetikprodukt, das in der EU in Verkehr gebracht wird, braucht eine verantwortliche Person mit Sitz in der EU. Sie steht für die Einhaltung der Vorschriften ein.

Sicherheitsbewertung: Für jedes Produkt muss ein Sicherheitsbericht erstellt werden.

Notifizierung: Produkte werden vor dem Inverkehrbringen im EU-Portal CPNP gemeldet.

Kennzeichnung: Bestimmte Pflichtangaben, etwa Warnhinweise und Verwendungszweck, müssen in Deutschland auf Deutsch vorhanden sein.

Die Empfehlung zum UVA-Schutz

Zusätzlich gibt es eine Empfehlung der EU-Kommission von 2006 zu Sonnenschutzmitteln. Danach soll der UVA-Schutz mindestens ein Drittel des angegebenen Lichtschutzfaktors betragen. Produkte, die das erfüllen, tragen das bekannte UVA-Logo im Kreis. Außerdem regelt die Empfehlung Begriffe wie "hoher Schutz" oder "sehr hoher Schutz" und dass die höchste LSF-Angabe "50+" lautet.

Wie Sonnenschutz in Korea geregelt ist

In Korea sind Sonnenschutzmittel sogenannte funktionelle Kosmetika. Sie werden von der koreanischen Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (MFDS) geprüft beziehungsweise gemeldet, bevor sie mit Sonnenschutzversprechen verkauft werden dürfen.

Der UVA-Schutz wird in Korea mit dem PA-System angegeben (PA+ bis PA++++). Grundlage ist ein Messwert für die UVA-Schutzwirkung (PPD). Das PA-System stammt ursprünglich aus Japan und ist in Asien weit verbreitet. Was PA genau bedeutet und wie es sich zum LSF verhält, erklären wir ausführlich in SPF vs. PA-Rating: Sonnenschutz richtig erklärt.

Auch Korea hat eine eigene Liste zugelassener UV-Filter mit eigenen Höchstkonzentrationen. Viele Filter sind in beiden Listen enthalten, aber nicht alle, und nicht immer mit denselben Grenzen.

Warum EU-Versionen anders sein können

1. Unterschiedliche Filterlisten und Grenzwerte

Wenn eine koreanische Formulierung einen Filter enthält, der in der EU nicht gelistet ist, oder einen Filter in höherer Konzentration, als die EU erlaubt, darf diese Version in der EU so nicht verkauft werden. Die Marke muss dann eine eigene Formulierung für Europa entwickeln.

2. Änderungen der EU-Regeln 2025

Die EU hat mit der Verordnung (EU) 2022/2195 die Bedingungen für einige UV-Filter verschärft. Besonders relevant ist Homosalat: Seit dem 1. Juli 2025 dürfen Produkte mit Homosalat in der EU nur noch als Gesichtsprodukte (außer Treibgassprays) und mit maximal 7,34 % bereitgestellt werden. Früher waren deutlich höhere Konzentrationen erlaubt. Hintergrund ist die Bewertung möglicher hormonähnlicher Wirkungen durch den Wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS).

Auch für andere Filter wie Benzophenon-3 (Oxybenzon) und Octocrylen gelten in der EU inzwischen engere Grenzen. Formulierungen, die in Korea oder anderen Ländern noch völlig legal sind, müssen für Europa also manchmal angepasst werden.

3. UVA-Anforderung

Selbst wenn alle Filter erlaubt sind, braucht eine Sonnencreme für den EU-Markt einen nachgewiesenen UVA-Schutz, der zur EU-Empfehlung passt, wenn sie das UVA-Logo tragen will. Dafür sind eigene Tests nötig.

4. Sonstige Inhaltsstoffe

Nicht nur UV-Filter sind betroffen. Die EU aktualisiert regelmäßig die Listen verbotener und eingeschränkter Stoffe, zum Beispiel bei bestimmten Duftstoffen, Konservierungsmitteln oder Wirkstoffen wie Vitamin-A-Derivaten oder Arbutin. Das kann auch Pflegeprodukte betreffen, die gar keine Sonnencremes sind.

5. Marketing und Kennzeichnung

Manche Angaben auf der koreanischen Verpackung (zum Beispiel bestimmte Wirkversprechen) entsprechen nicht den EU-Regeln für Werbeaussagen über Kosmetik. EU-Versionen haben deshalb oft andere Texte, eine deutsche Kennzeichnung und die Adresse einer verantwortlichen Person in der EU.

Ist die EU-Version schlechter?

Nein, nicht automatisch. Viele moderne UV-Filter, die in koreanischen Sonnencremes stecken, sind auch in der EU zugelassen, darunter photostabile Breitbandfilter, die in Europa schon seit Jahren verwendet werden. Unterschiede in Textur, Geruch oder Finish sind möglich, wenn Filter oder Trägerstoffe getauscht werden. Die Schutzleistung muss aber in beiden Fällen geprüft und belegt sein.

Umgekehrt ist eine Korea-Version auch nicht "das bessere Original". Sie ist für einen anderen Rechtsraum gemacht.

Darf ich eine Korea-Version privat kaufen?

Die EU-Kosmetikverordnung richtet sich vor allem an diejenigen, die Produkte in der EU in Verkehr bringen, also Hersteller, Importeure und Händler. Wer als Privatperson für den Eigenbedarf im Ausland bestellt, wird in der Regel nicht Adressat dieser Pflichten. Du hast dann aber auch keine Gewähr, dass das Produkt die EU-Anforderungen erfüllt, und du trägst Steuern, Zoll und das Risiko von Fälschungen selbst. Seit Juli 2026 fällt auf Kleinsendungen aus Nicht-EU-Ländern außerdem eine pauschale Zollgebühr an. Mehr dazu in Singles Day 2026: Echte K-Beauty-Angebote erkennen.

Dies ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung.


Woran erkennst du eine EU-konforme Sonnencreme?

Name und Anschrift einer verantwortlichen Person in der EU auf der Verpackung.

Deutsche Pflichtangaben, zum Beispiel Warn- und Anwendungshinweise, bei Sonnenschutz oft auch der Hinweis, das Produkt reichlich aufzutragen und regelmäßig zu erneuern.

LSF-Angabe nach EU-Muster und häufig das UVA-Logo im Kreis. Das PA-Rating kann zusätzlich angegeben sein.

INCI-Liste, die du mit der aktuellen EU-Filterliste abgleichen kannst. Wie das geht, erklären wir in INCI-Liste lesen.

Seriöse Bezugsquelle mit Impressum in der EU. Siehe auch Original oder Fälschung?


Die wichtigsten UV-Filter in koreanischen Sonnencremes

Viele beliebte koreanische Sonnencremes setzen auf moderne, photostabile Filter, die auch in der EU zugelassen sind. Typische INCI-Namen sind zum Beispiel:

INCI-Name Bekannt als Schutzbereich
Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine Tinosorb S UVA und UVB (Breitband)
Methylene Bis-Benzotriazolyl Tetramethylbutylphenol Tinosorb M UVA und UVB (Breitband)
Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate Uvinul A Plus UVA
Ethylhexyl Triazone Uvinul T 150 UVB
Titanium Dioxide, Zinc Oxide Mineralische Filter UVB bzw. Breitband

Den Unterschied zwischen chemischen und mineralischen Filtern erklären wir in Chemischer vs. mineralischer Sonnenschutz.

Was bedeutet das für deinen Alltag?

Nicht der Herkunftsaufkleber zählt, sondern die Formulierung. Prüfe die INCI-Liste, wenn du eine bestimmte Version suchst.

Die richtige Menge ist wichtiger als die Version. Egal ob EU oder Korea: Wer zu wenig aufträgt, bekommt nur einen Bruchteil des angegebenen Schutzes. Siehe Wie viel Sonnencreme braucht das Gesicht?

Nachcremen gehört dazu: Sonnencreme richtig nachtragen.

Die passende Textur finden: Unsere Auswahl nach Hauttyp findest du in Die besten koreanischen Sonnencremes. Die beiden Beauty-of-Joseon-Varianten vergleichen wir in Relief Sun oder Aqua Fresh?


Häufige Fragen

Warum hat meine koreanische Sonnencreme eine andere INCI-Liste als im Internet angegeben?

Möglicherweise vergleichst du die EU-Version mit der koreanischen oder einer älteren Version. Marken passen Formulierungen für verschiedene Märkte und im Laufe der Zeit an.

Ist PA++++ besser als das UVA-Logo?

Beide Systeme messen den UVA-Schutz unterschiedlich. PA++++ steht für einen sehr hohen UVA-Schutz nach asiatischem Standard, das UVA-Logo bestätigt, dass der UVA-Schutz im Verhältnis zum LSF ausreichend ist. Ein direkter Umrechnungsfaktor existiert nicht.

Sind in Korea Filter erlaubt, die in der EU verboten sind?

Die Listen überschneiden sich stark, sind aber nicht identisch. Relevanter als "verboten" sind oft unterschiedliche Höchstkonzentrationen und Bedingungen, wie beim Homosalat.

Kann ich eine Korea-Version in Deutschland weiterverkaufen?

Wer Kosmetik in der EU gewerblich in Verkehr bringt, muss die EU-Kosmetikverordnung erfüllen, einschließlich verantwortlicher Person, Sicherheitsbewertung, CPNP-Meldung und Kennzeichnung. Ein Weiterverkauf nicht konformer Ware ist deshalb problematisch.

Unser Fazit

Die "andere Version" koreanischer Sonnencremes in Europa ist kein Mythos, aber auch kein Grund zur Sorge. Sie ist die Folge unterschiedlicher Rechtsordnungen: Die EU arbeitet mit einer eigenen Positivliste für UV-Filter, hat 2025 einige Grenzwerte verschärft und verlangt eigene UVA-Nachweise und Kennzeichnungen. Eine EU-konforme Version ist dafür gemacht, in Europa sicher und rechtssicher verkauft zu werden. Wichtiger als die Herkunft ist am Ende, dass du genug Sonnencreme aufträgst, jeden Tag.

Stand: Oktober 2026. Rechtliche Angaben sind allgemeine Informationen und ersetzen keine Rechtsberatung.

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