Retinol oder Bakuchiol? Was klinische Studien im direkten Vergleich zeigen

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Retinol gehört zu den bekanntesten Wirkstoffen gegen sichtbare Zeichen der Hautalterung. Gleichzeitig verträgt nicht jede Haut ein Retinolprodukt auf Anhieb. Trockenheit, Schuppung und Brennen sorgen dafür, dass viele Menschen nach einer milderen Alternative suchen. Genau hier kommt Bakuchiol ins Spiel: Der pflanzlich gewonnene Wirkstoff soll ähnliche Ergebnisse liefern, ohne die typischen Irritationen eines Retinoids auszulösen.

Auf Produktverpackungen klingt das schnell nach einem eindeutigen Duell: Retinol steht für starke Wirkung, Bakuchiol für sanfte Natürlichkeit. Wissenschaftlich ist die Sache komplizierter. Retinol und Bakuchiol sind chemisch nicht miteinander verwandt, wirken nicht über exakt dieselben Wege und verfügen über sehr unterschiedlich umfangreiche Forschungsgrundlagen.

Es gibt tatsächlich eine klinische Studie, in der beide direkt verglichen wurden. Sie liefert interessante Ergebnisse, beantwortet aber nicht jede Frage. Um Retinol und Bakuchiol fair zu beurteilen, müssen deshalb nicht nur Vorher-nachher-Bilder betrachtet werden, sondern auch Studiendesign, Dosierung, Anwendungshäufigkeit und Verträglichkeit.

Retinol und Bakuchiol im direkten Vergleich

Vergleichspunkt Retinol Bakuchiol
Stoffgruppe Retinoid, Form von Vitamin A Meroterpen-Phenol, meist pflanzlich gewonnen
Wirkweise Umwandlung zu Retinsäure, Wirkung über Retinoid-Rezeptoren keine Umwandlung zu Retinsäure; teilweise ähnliche Genexpressionsmuster beschrieben
Klinische Daten vergleichsweise umfangreich, aber abhängig von Produkt und Konzentration deutlich kleinerer Forschungsumfang
Untersuchte Ziele Photoaging, Falten, Pigmentierung, Hautstruktur vor allem Photoaging; außerdem erste Daten zu Akne und empfindlicher Haut
Typische Verträglichkeit Trockenheit, Brennen und Schuppung möglich in kleinen Studien meist besser verträglich
Anwendung gewöhnlich abends, langsam steigern je nach Formulierung ein- oder zweimal täglich
Schwangerschaft vorsorglich nicht verwenden Sicherheit nicht ausreichend belegt; nicht automatisch eine sichere Alternative


Die Tabelle zeigt bereits den wichtigsten Unterschied: Bakuchiol ist kein Retinoid. Die Bezeichnung „pflanzliches Retinol“ ist leicht verständlich, chemisch aber falsch.

Was ist Retinol überhaupt?

Retinol ist eine Form von Vitamin A und gehört zur Familie der Retinoide. In der Haut wird es zunächst zu Retinal und anschließend zu Retinsäure umgewandelt. Retinsäure ist die biologisch aktive Form, die an nukleäre Retinoid-Rezeptoren bindet und dadurch die Genexpression beeinflusst.

Diese Umwandlung erklärt, warum verschiedene Retinoide nicht gleich stark wirken. Retinol benötigt zwei Umwandlungsschritte, Retinal nur einen. Tretinoin ist bereits Retinsäure und wirkt direkt, ist aber ein Arzneimittel und nicht mit einem frei verkäuflichen Retinolserum gleichzusetzen. Die Unterschiede zwischen den kosmetisch häufig verwendeten Vitamin-A-Formen erklären wir ausführlicher unter "Retinal oder Retinol? Der Unterschied einfach erklärt".

Retinol kann Prozesse beeinflussen, die für die sichtbare Hautalterung relevant sind. Dazu gehören epidermale Erneuerung, Kollagenstoffwechsel und Pigmentverteilung. Eine vergleichende Untersuchung mit Hautbiopsien zeigte nach topischer Retinolanwendung Veränderungen der Epidermisdicke sowie eine erhöhte Expression von Kollagen-I- und Kollagen-III-bezogenen Markern. In einem klinischen Studienteil wurden nach zwölf Wochen außerdem weniger sichtbare Falten gemessen.

Das bedeutet nicht, dass jedes Retinolprodukt dieselben Ergebnisse erzielt. Konzentration, Stabilität, Verpackung, Trägersystem und regelmäßige Anwendung beeinflussen die tatsächliche Leistung einer Formulierung erheblich.

Was ist Bakuchiol?

Bakuchiol ist eine phenolische Verbindung, die traditionell aus den Samen der Pflanze Psoralea corylifolia, auch Cullen corylifolium genannt, gewonnen wird. Der Stoff ist weder Vitamin A noch ein Retinoid. Er muss in der Haut nicht zu Retinsäure umgewandelt werden.

Seinen Ruf als Retinolalternative erhielt Bakuchiol unter anderem durch Laboruntersuchungen, in denen es teilweise ähnliche Veränderungen der Genexpression auslöste wie Retinol. Eine frühe klinische Untersuchung eines Bakuchiolprodukts berichtete nach zwölf Wochen Verbesserungen bei Linien, Falten, Pigmentierung, Elastizität und Festigkeit.

Solche Ergebnisse sind interessant, reichen aber nicht aus, um zwei chemisch unterschiedliche Stoffe gleichzusetzen. Ähnliche sichtbare Endpunkte können über unterschiedliche biologische Wege entstehen. Auch eine Überschneidung einzelner Genexpressionsmuster beweist nicht, dass Wirksamkeit, Langzeitsicherheit und Einsatzmöglichkeiten identisch sind.

Ein weiterer Punkt wird im Marketing häufig übersehen: „pflanzlich“ beschreibt die Herkunft, nicht automatisch die Verträglichkeit. Auch Pflanzenstoffe können Kontaktreaktionen oder Irritationen verursachen. Ob ein Bakuchiolprodukt mild ist, hängt außerdem von Duftstoffen, Lösungsmitteln, weiteren Wirkstoffen und der gesamten Rezeptur ab.

Die wichtigste Vergleichsstudie: 0,5 Prozent Bakuchiol gegen 0,5 Prozent Retinol

Die am häufigsten zitierte direkte Vergleichsstudie erschien 2019 im British Journal of Dermatology. Es handelte sich um eine randomisierte, doppelblinde Untersuchung mit 44 Teilnehmenden und einer Dauer von zwölf Wochen.

Eine Gruppe verwendete zweimal täglich eine Creme mit 0,5 Prozent Bakuchiol. Die andere trug einmal täglich eine Creme mit 0,5 Prozent Retinol auf. Untersucht wurden unter anderem Falten und Hyperpigmentierung. Zusätzlich dokumentierten die Teilnehmenden mögliche Nebenwirkungen.

Was kam dabei heraus?

Beide Gruppen zeigten eine signifikante Verbesserung bei Falten und Hyperpigmentierung. Zwischen den Gruppen wurde für diese Endpunkte kein statistisch signifikanter Unterschied festgestellt. In der Retinolgruppe wurden jedoch häufiger Schuppung und Brennen im Gesicht angegeben.

Das spricht dafür, dass Bakuchiol in dieser konkreten Studie sichtbare Zeichen von Photoaging verbessern konnte und besser vertragen wurde als die untersuchte Retinolformulierung.

Was beweist die Studie nicht?

Aus ihr lässt sich nicht ableiten, dass Bakuchiol grundsätzlich genauso wirksam ist wie Retinol. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Die Stichprobe war klein. Mit 44 Teilnehmenden lassen sich moderate Unterschiede möglicherweise nicht zuverlässig erkennen.

  2. Die Anwendung war nicht identisch. Bakuchiol wurde zweimal täglich, Retinol einmal täglich verwendet. Verglichen wurden daher keine identischen Anwendungsschemata.

  3. Die Untersuchung dauerte zwölf Wochen. Das reicht für erste sichtbare Veränderungen, beantwortet aber keine Fragen zur jahrelangen Anwendung.

  4. Verglichen wurden konkrete Formulierungen. Ergebnisse lassen sich nicht automatisch auf jedes Serum oder jede Creme mit demselben beworbenen Wirkstoff übertragen.

  5. Untersucht wurde Photoaging. Die Studie beweist keine Gleichwertigkeit bei Akne oder anderen dermatologischen Einsatzgebieten.

Die faire Schlussfolgerung lautet deshalb: Bakuchiol hat im direkten Vergleich vielversprechend abgeschnitten. Die Studie ist aber ein Hinweis und kein endgültiger Nachweis allgemeiner Gleichwertigkeit.

Welcher Wirkstoff ist besser gegen Falten?

Für Retinoide ist die Evidenz insgesamt deutlich breiter. Besonders gut untersucht ist verschreibungspflichtige Retinsäure beziehungsweise Tretinoin. Kosmetisches Retinol ist schwächer und darf nicht einfach mit Tretinoin gleichgesetzt werden, verfügt aber ebenfalls über klinische und mechanistische Daten zu lichtgealterter Haut.

Ein Review zu kosmetischen Retinoiden kam zu dem Ergebnis, dass Retinol, Retinylester und Retinaldehyd sichtbare Merkmale lichtgealterter Haut verbessern können. Gleichzeitig unterscheiden sich die Studien stark bei Formulierungen, Konzentrationen und Messmethoden.

Bakuchiol besitzt weniger Humanstudien. Ein Review aus dem Jahr 2024 identifizierte zwar 15 klinische Untersuchungen, doch darunter befinden sich nicht nur randomisierte Direktvergleiche. Teilweise wurden Kombinationsprodukte untersucht, sodass der Effekt nicht eindeutig Bakuchiol allein zugeschrieben werden kann.

Wenn die Frage ausschließlich lautet, welcher Stoff wissenschaftlich besser abgesichert ist, liegt Retinol vorn. Wenn eine Person Retinol trotz vorsichtiger Eingewöhnung nicht verträgt, kann Bakuchiol dennoch die praktisch bessere Wahl sein. Ein theoretisch stärkerer Wirkstoff bringt wenig, wenn er wegen ständiger Irritation nur unregelmäßig verwendet wird.

Was hilft besser gegen Pigmentflecken?

In der direkten Vergleichsstudie verbesserten sowohl Retinol als auch Bakuchiol die gemessene Hyperpigmentierung. Das macht Bakuchiol für einen ungleichmäßigen Hautton interessant. Die Datenbasis bleibt jedoch klein.

Retinoide können die Pigmentverteilung und epidermale Erneuerung beeinflussen und werden häufig mit weiteren Wirkstoffen gegen Hyperpigmentierung kombiniert. Entscheidend bleibt der tägliche Sonnenschutz. Ohne ausreichenden UV-Schutz können neue Verfärbungen entstehen, während bestehende Flecken behandelt werden.

Bei Melasma, ausgeprägten Pigmentveränderungen oder unklaren dunklen Stellen sollte nicht ausschließlich mit frei verkäuflicher Kosmetik experimentiert werden. Manche Pigmentveränderungen benötigen eine dermatologische Diagnose, bevor eine Behandlung ausgewählt wird.

Retinol oder Bakuchiol bei unreiner Haut?

Hier ist eine besonders saubere Trennung nötig. Topische Retinoide wie Adapalen oder Tretinoin sind etablierte Arzneimittel in der Aknetherapie. Sie beeinflussen die Verhornung und helfen, Mikrokomedonen vorzubeugen. Kosmetisches Retinol ist jedoch nicht automatisch gleichwertig mit einem medizinischen Retinoid.

Für Bakuchiol gibt es Hinweise auf antibakterielle und entzündungsmodulierende Eigenschaften. Die klinische Evidenz bei Akne ist aber deutlich begrenzter. Viele Studien untersuchen Bakuchiol in Kombination mit anderen Stoffen, wodurch unklar bleibt, welchen Anteil es am Ergebnis hat.

Bei einzelnen Unreinheiten kann ein gut formuliertes Bakuchiolprodukt Teil einer milden Routine sein. Bei entzündlicher, schmerzhafter oder narbenbildender Akne sollte es nicht als Ersatz für eine evidenzbasierte Therapie dargestellt werden.

Was ist verträglicher?

Bakuchiol wird in den bisherigen klinischen Untersuchungen häufig gut vertragen. Im direkten Vergleich verursachte Retinol mehr Schuppung und Brennen. Das ist ein relevanter Vorteil für Menschen, die bei Retinol wiederholt mit Irritationen reagieren.

Trotzdem ist „Bakuchiol reizt nie“ keine seriöse Aussage. Jede kosmetische Formulierung kann unverträglich sein. Zudem kann ein Produkt neben Bakuchiol Duftstoffe, ätherische Öle oder weitere aktive Inhaltsstoffe enthalten.

Retinol muss ebenfalls nicht zwangsläufig zu einer starken Reaktion führen. Viele Probleme entstehen durch einen zu schnellen Einstieg, eine zu große Menge oder die gleichzeitige Verwendung mehrerer reizender Produkte. Eine niedrige Anwendungsfrequenz, eine kleine Produktmenge und eine schlichte Feuchtigkeitscreme können die Verträglichkeit verbessern.

So startest du mit Retinol

Retinol wird gewöhnlich am Abend verwendet. Für den Einstieg reicht eine erbsengroße Menge für das gesamte Gesicht. Augenlider, Lippenwinkel und gereizte Bereiche sollten ausgespart werden.

Ein vorsichtiger Start kann so aussehen:

  • in den ersten Wochen ein- bis zweimal pro Woche,

  • anschließend nur steigern, wenn die Haut ruhig bleibt,

  • an den übrigen Abenden auf Feuchtigkeit und Barrierepflege setzen,

  • starke Säurepeelings nicht direkt gleichzeitig neu einführen,

  • tagsüber konsequent Sonnenschutz verwenden.

Retinol kann auf vollständig trockener Haut aufgetragen werden. Wer empfindlich reagiert, kann zuerst eine dünne Schicht Feuchtigkeitscreme verwenden oder Retinol zwischen zwei Cremeschichten auftragen. Dieses sogenannte Sandwich-Prinzip reduziert möglicherweise die unmittelbare Reizung, kann aber auch die Wirkstoffabgabe verändern.

Leichte Trockenheit während der Eingewöhnung ist möglich. Starkes Brennen, anhaltende Rötung, Schwellung oder rissige Haut sind dagegen kein notwendiger Beweis dafür, dass das Produkt „arbeitet“. Dann sollte die Anwendung pausiert und die Routine vereinfacht werden.

So verwendest du Bakuchiol

Bakuchiolprodukte werden je nach Hersteller morgens, abends oder zweimal täglich empfohlen. Anders als Retinol gilt Bakuchiol nicht als typischer photolabiler Vitamin-A-Wirkstoff. Trotzdem ist Sonnenschutz notwendig, wenn Pigmentflecken und lichtbedingte Hautalterung behandelt werden sollen.

Auch bei Bakuchiol ist ein langsamer Einstieg sinnvoll:

  • zunächst jeden zweiten Abend oder einige Male pro Woche verwenden,

  • eine kleine Menge auf gereinigte Haut geben,

  • anschließend bei Bedarf Feuchtigkeitscreme auftragen,

  • Verträglichkeit beobachten, bevor weitere aktive Produkte ergänzt werden.

Die Konzentration allein entscheidet nicht über die Qualität. Ein 1-prozentiges Produkt muss nicht automatisch besser wirken als eine durchdachte Formulierung mit 0,5 Prozent. Für viele frei verkäufliche Konzentrationen fehlen direkte Vergleichsdaten.

Darf man Retinol und Bakuchiol kombinieren?

Grundsätzlich können beide Stoffe in derselben Routine vorkommen. Es gibt auch fertige Produkte, die Retinol und Bakuchiol kombinieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Kombination für jede Haut einen zusätzlichen klinisch belegten Vorteil bietet.

Wer Retinol gerade erst einführt, sollte nicht gleichzeitig Bakuchiol und mehrere weitere Wirkstoffe starten. Treten Irritationen auf, lässt sich sonst kaum erkennen, welches Produkt dafür verantwortlich ist. Eine schrittweise Einführung liefert mehr Informationen über die individuelle Verträglichkeit.

Wenn du beide Produkte bereits gut verträgst, kannst du Bakuchiol beispielsweise morgens und Retinol abends verwenden. Eine andere Möglichkeit sind unterschiedliche Abende. Für sehr empfindliche Haut ist oft ein einziges gut verträgliches Produkt sinnvoller als eine maximal aktive Routine.

Schwangerschaft und Stillzeit: Ist Bakuchiol eine sichere Alternative?

Topische Retinoide werden in der Schwangerschaft vorsorglich nicht empfohlen. Obwohl die systemische Aufnahme bei kosmetischer Anwendung gering ist und Beobachtungsdaten kein deutlich erhöhtes Risiko nach unbeabsichtigter topischer Exposition zeigen, bleibt die Empfehlung zur Vermeidung bestehen. Bei einer versehentlichen Anwendung sollte das Produkt abgesetzt und die Situation mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden; Panik ist nicht angebracht.

Bakuchiol wird häufig als „schwangerschaftssichere Retinolalternative“ beworben. Dafür fehlt jedoch eine ausreichend belastbare Sicherheitsdatenlage. Dass Bakuchiol kein Retinoid ist, beweist nicht automatisch seine Unbedenklichkeit in Schwangerschaft oder Stillzeit.

Wer schwanger ist, stillt oder eine Schwangerschaft plant, sollte die konkrete Pflege mit medizinischem Fachpersonal abstimmen. Ein Blogartikel kann diese individuelle Risikobewertung nicht ersetzen.

Kann man Retinol oder Bakuchiol im Sommer verwenden?

Retinol muss nicht grundsätzlich den gesamten Sommer pausiert werden. Entscheidend sind eine verträgliche Anwendung und zuverlässiger Sonnenschutz. Eine bereits gereizte oder schuppende Haut reagiert empfindlicher auf äußere Belastungen; deshalb sollte die Häufigkeit bei Bedarf reduziert werden.

Bakuchiol wird häufig als unkomplizierter für die Anwendung am Tag beworben. Auch dann ersetzt es keinen UV-Schutz. Wer Falten und Pigmentflecken behandeln möchte, erreicht mit keinem Wirkstoff überzeugende Ergebnisse, wenn tägliche UV-Exposition ignoriert wird. Warum Sonnenschutz dabei die Grundlage bildet, erklären genauer in dem Beitrag: Täglicher Sonnenschutz.

Retinol oder Bakuchiol: Welcher Wirkstoff passt zu dir?

Retinol passt eher zu dir, wenn …

  • du einen kosmetischen Wirkstoff mit vergleichsweise breiter Datenbasis suchst,

  • Falten, ungleichmäßige Hautstruktur oder lichtbedingte Pigmentierung im Vordergrund stehen,

  • du bereit bist, langsam zu starten und mögliche Irritationen zu managen,

  • deine Haut Retinol bereits gut verträgt.

Bakuchiol passt eher zu dir, wenn …

  • Retinol trotz vorsichtiger Anwendung wiederholt zu Irritationen führt,

  • du einen milderen Einstieg in eine Anti-Aging-Routine suchst,

  • du eine pflanzlich gewonnene Option bevorzugst, ohne sie automatisch für wirksamer zu halten,

  • dir eine etwas kleinere, aber vielversprechende Studienlage bewusst ist.

Keines von beiden sollte deine erste Priorität sein, wenn …

  • deine Haut gerade akut brennt, schuppt oder entzündet ist,

  • du keinen täglichen Sonnenschutz verwendest,

  • du mehrere neue Wirkstoffe gleichzeitig einführen möchtest,

  • du eine Hauterkrankung ausschließlich kosmetisch behandeln willst.

Häufige Marketingaussagen im Faktencheck

„Bakuchiol ist pflanzliches Retinol“

Falsch beziehungsweise stark vereinfachend. Bakuchiol ist chemisch kein Retinoid. Es kann teilweise ähnliche sichtbare Effekte erzielen, wirkt aber nicht einfach als natürliche Version desselben Moleküls.

„Bakuchiol wirkt genauso gut wie Retinol“

Zu pauschal. Eine kleine direkte Studie fand bei bestimmten Photoaging-Endpunkten keinen signifikanten Unterschied. Das beweist keine generelle Gleichwertigkeit über alle Produkte, Dosierungen und Anwendungsgebiete.

„Retinol macht die Haut dünn“

So formuliert ist das irreführend. Retinoide können zu Beginn Trockenheit und Schuppung auslösen. Untersuchungen zeigen zugleich Veränderungen der Epidermis und des dermalen Kollagenstoffwechsels, die nicht mit einem schlichten „Dünnerwerden“ gleichgesetzt werden können.

„Natürlich bedeutet reizfrei“

Falsch. Die Herkunft eines Inhaltsstoffs sagt wenig darüber aus, ob ein fertiges Produkt individuell vertragen wird.

„Wenn Retinol nicht brennt, wirkt es nicht“

Falsch. Irritation ist eine Nebenwirkung, kein notwendiger Wirksamkeitsnachweis.

Das Urteil: Gewinnt Retinol oder Bakuchiol?

Retinol gewinnt beim Umfang der wissenschaftlichen Daten. Seine Wirkung auf sichtbare Zeichen lichtgealterter Haut ist besser untersucht, und seine biologischen Mechanismen sind umfassender beschrieben. Dafür besitzt Retinol ein höheres Potenzial für Trockenheit, Schuppung und Brennen.

Bakuchiol gewinnt bei der bisherigen Verträglichkeit. In der wichtigsten direkten Vergleichsstudie verbesserte es Falten und Hyperpigmentierung ähnlich wie die untersuchte Retinolformulierung und verursachte weniger Irritationen. Die wesentlich kleinere Datenbasis verhindert jedoch die Aussage, Bakuchiol sei generell gleich wirksam.

Die praktische Entscheidung hängt deshalb nicht nur davon ab, welcher Wirkstoff auf dem Papier stärker erscheint. Entscheidend ist, welches Produkt du langfristig verträgst und regelmäßig verwenden kannst. Für gut tolerierende Haut bleibt Retinol die wissenschaftlich besser abgesicherte Wahl. Für Menschen, die Retinol nicht vertragen, ist Bakuchiol eine plausible Alternative mit ersten überzeugenden Humanstudien – aber kein identischer Ersatz.

Häufige Fragen zu Retinol und Bakuchiol

Wie lange dauert es, bis Ergebnisse sichtbar werden?

In klinischen Untersuchungen wurden häufig Zeiträume von acht bis zwölf Wochen betrachtet. Deutlichere Veränderungen können mehrere Monate konsequenter Anwendung benötigen. Ein sofort glatteres Hautgefühl stammt meist von der feuchtigkeitsspendenden Basis des Produkts und nicht von neu gebildetem Kollagen.

Ist Bakuchiol für empfindliche Haut geeignet?

Bakuchiol wurde in kleinen klinischen Studien überwiegend gut vertragen und verursachte im direkten Vergleich weniger Schuppung und Brennen als Retinol. Trotzdem kann jedes Produkt reizen. Eine einfache Formulierung und ein langsamer Einstieg bleiben sinnvoll.

Muss Bakuchiol gekühlt werden?

Normalerweise nicht. Lagere das Produkt entsprechend den Herstellerangaben, gut verschlossen und geschützt vor starker Wärme sowie direktem Licht. Die Stabilität hängt von der gesamten Formulierung und Verpackung ab.

Kann Bakuchiol Purging verursachen?

Für ein typisches, durch beschleunigte Komedonenreifung erklärtes „Purging“ unter Bakuchiol gibt es keine solide Grundlage wie bei etablierten Aknewirkstoffen. Neue Unreinheiten können auch auf Irritation, eine ungeeignete Formulierung oder den natürlichen Verlauf der Haut zurückgehen.

Darf Bakuchiol morgens verwendet werden?

Viele Bakuchiolprodukte sind für morgens und abends vorgesehen. Beachte die Anleitung des konkreten Produkts. Am Morgen bildet Sonnenschutz den letzten Pflegeschritt.

Ist Retinol stärker als Bakuchiol?

„Stärker“ lässt sich nicht allein an der Konzentration oder einem einzelnen Vergleich festmachen. Retinol besitzt die breitere Evidenz und einen klar beschriebenen Retinoid-Mechanismus. Bakuchiol zeigte in einer kleinen Vergleichsstudie ähnliche Verbesserungen bestimmter Photoaging-Merkmale, wurde aber häufiger angewendet.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel dient der generellen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Zudem lassen sich nicht alle Aussagen ohne Weiteres auf alle Retinol- oder Bakuchiolprodukte übertragen.

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