Peptide für die Haut: Arten, Wirkung und was die Forschung wirklich sagt

Serum mit Peptiden wird auf die Haut aufgetragen

„Mit Peptiden“ steht inzwischen auf so vielen Seren, Augencremes und Ampullen, dass man leicht den Überblick verliert. Mal sollen sie Kollagen anregen, mal wie „Botox aus der Tube“ wirken, mal die Haut reparieren. Was davon stimmt?

Die kurze Antwort: Es gibt nicht „das“ Peptid. Hinter dem Begriff stecken sehr unterschiedliche Moleküle – mit sehr unterschiedlich guter Studienlage. Hier bekommst du den Überblick.

Ein Peptid = eine kurze Kette aus Aminosäuren

Lange Ketten aus Aminosäuren sind Proteine wie Kollagen. Kurze Ketten aus etwa 2 bis 50 Bausteinen nennt man Peptide. Weil sie klein sind, können sie in der Hautpflege als Botenstoffe eingesetzt werden.

Die 4 Peptid-Typen in der Hautpflege

Eine Übersichtsarbeit (Gorouhi und Maibach, 2009) teilt Peptide in Kosmetik in vier Gruppen ein. Jede soll auf einem anderen Weg wirken:

Signal-Peptide

sollen den Hautzellen signalisieren, mehr Kollagen zu bilden

Auf der INCI-Liste: Palmitoyl Pentapeptide-4 (Matrixyl), Palmitoyl Tripeptide-1

einige Studien am Menschen

Neurotransmitter-Peptide

sollen die Muskelspannung leicht lockern und so Mimikfalten mildern

Auf der INCI-Liste: Acetyl Hexapeptide-8 (Argireline)

wenige, kleine Studien

Carrier-Peptide

transportieren Spurenelemente wie Kupfer zu den Zellen

Auf der INCI-Liste: Copper Tripeptide-1 (GHK-Cu)

viel Laborforschung

Enzymhemmende Peptide

sollen Enzyme bremsen, die Kollagen abbauen

Auf der INCI-Liste: z. B. Soja- oder Reispeptide

kaum Studien am Menschen

Die Punkte zeigen unsere Einschätzung der Studienlage: ● wenig, ●● mittel, ●●● stark. Keine Peptid-Gruppe erreicht bisher die Beleglage von Retinoiden.

Was Studien zu Peptiden zeigen

Matrixyl: weniger feine Linien nach 12 Wochen

In einer Halbseitenstudie (Robinson et al., 2005) trugen 93 Frauen zwischen 35 und 55 Jahren zwölf Wochen lang auf eine Gesichtshälfte eine Creme mit dem Signal-Peptid Palmitoyl Pentapeptide auf, auf die andere die gleiche Creme ohne Peptid. Auf der Peptid-Seite gingen Falten und feine Linien messbar zurück, die Creme wurde gut vertragen. Die Studie stammt allerdings von Forschenden eines Kosmetikherstellers.

Argireline: das „Botox aus der Tube“?

Das Peptid Acetyl Hexapeptide-8 wurde gezielt so entwickelt, dass es die Signalübertragung vom Nerv zum Muskel ähnlich wie Botulinumtoxin hemmt – nur viel schwächer. In einer frühen Studie (Blanes-Mira et al., 2002) verringerte eine Creme mit 10 % Argireline die Faltentiefe nach 30 Tagen um bis zu 30 %. Das klingt viel, ist aber eine kleine, frühe Untersuchung. Mit einer Botox-Behandlung ist der Effekt nicht vergleichbar.

Kupferpeptide: spannend, aber vor allem im Labor

Das Kupferpeptid GHK-Cu kommt natürlich im Körper vor, seine Menge sinkt mit dem Alter. Laut einer Übersichtsarbeit (Pickart et al., 2015) regt es in Laborversuchen die Bildung von Kollagen und Elastin an und fördert die Wundheilung. Die meisten Daten stammen aus Zell- und Tierversuchen, und der Hauptautor erforscht GHK-Cu seit Jahrzehnten selbst. Für die Haut im Gesicht gibt es bisher nur wenige gute Studien.

Ehrlich gesagt

Peptide sind keine Wundermittel, aber auch kein reines Marketing. Einige sind in Studien wirksam, oft aber in kleinen oder herstellernahen Untersuchungen. Ihr großer Vorteil: Sie sind sehr gut verträglich – ideal für alle, die Retinol nicht vertragen oder ihre Routine sanft ergänzen möchten.

Peptide oder Retinol?

Peptide

  • sehr gut verträglich
  • keine Eingewöhnung nötig
  • morgens und abends möglich
  • Studienlage: mittel
  • ideal für empfindliche Haut

Retinol / Retinal

  • am besten belegter Anti-Aging-Wirkstoff
  • regt Kollagenbildung nachweislich an
  • kann anfangs reizen und trocknen
  • nur abends, mit Sonnenschutz
  • braucht langsamen Einstieg

Du musst dich nicht entscheiden: Peptide am Morgen, Retinol am Abend ist eine beliebte Kombination. Mehr zu Retinoiden in Retinal oder Retinol? und Retinol oder Bakuchiol?. Als Antioxidans für die Morgenroutine passt außerdem Vitamin E gut zu einem Peptidserum.

So wendest du Peptide richtig an

  • Wann: morgens und/oder abends, nach Reinigung und Toner, vor der Creme.
  • Wie lange: mindestens 8–12 Wochen täglich – so lange liefen auch die Studien.
  • Welches Produkt: am besten ein Serum oder eine Creme, die auf der Haut bleibt. Im Reinigungsschaum werden Peptide gleich wieder abgespült.
  • Morgens immer: Sonnenschutz. Er schützt das Kollagen, das Peptide anregen sollen.
Kombination Passt? Hinweis
Hyaluronsäure ja klassische Feuchtigkeits-Kombi
Niacinamid ja Peptide plus stärkere Barriere
Ceramide ja ideal für trockene, reife Haut
Retinol / Retinal ja gern zeitlich getrennt: Peptide morgens, Retinol abends
Kupferpeptide + Vitamin C oder Säuren lieber trennen zur Sicherheit zu verschiedenen Tageszeiten verwenden

Checkliste: Peptide auf der INCI-Liste erkennen

✓ Namen mit „-peptide“ wie Tripeptide, Tetrapeptide, Pentapeptide, Hexapeptide

✓ Vorsilben wie Palmitoyl oder Acetyl – sie machen Peptide hautgängiger

✓ Copper Tripeptide-1 steht für Kupferpeptide

✓ Steht das Peptid ganz am Ende der Liste, ist oft nur sehr wenig enthalten

Ergänzt deine Anti-Aging-Routine

Retinal für den Abend und Sonnenschutz für den Morgen – die beiden Partner, die Peptide am besten ergänzen.

Häufige Fragen zu Peptiden

Sind Peptide für jeden Hauttyp geeignet?

Ja, Peptide gelten als sehr gut verträglich und eignen sich auch für empfindliche Haut. Neue Produkte solltest du trotzdem einzeln einführen.

Was ist Matrixyl?

Matrixyl ist ein Handelsname für das Signal-Peptid Palmitoyl Pentapeptide-4. In einer Studie mit 93 Frauen verringerte es nach zwölf Wochen feine Linien.

Wirkt Argireline wie Botox?

Nur sehr entfernt. Es soll die Muskelspannung ähnlich, aber viel schwächer beeinflussen. Ein Ersatz für eine Botox-Behandlung ist es nicht.

Wann sieht man erste Ergebnisse mit Peptiden?

Plane mindestens 8 bis 12 Wochen täglicher Anwendung ein. So lange dauerten auch die meisten Studien.

Sind Peptide besser als Retinol?

Nein, Retinol ist besser belegt. Peptide sind aber deutlich sanfter und eine gute Alternative oder Ergänzung, wenn Retinol reizt.

Quellen

  1. Gorouhi F., Maibach H.I. (2009): Role of topical peptides in preventing or treating aged skin. International Journal of Cosmetic Science. PubMed
  2. Robinson L.R. et al. (2005): Topical palmitoyl pentapeptide provides improvement in photoaged human facial skin. International Journal of Cosmetic Science. PubMed
  3. Blanes-Mira C. et al. (2002): A synthetic hexapeptide (Argireline) with antiwrinkle activity. International Journal of Cosmetic Science. PubMed
  4. Pickart L. et al. (2015): GHK Peptide as a Natural Modulator of Multiple Cellular Pathways in Skin Regeneration. BioMed Research International. PubMed

Weiterlesen: Kollagen in der Hautpflege, PDRN: der K-Beauty-Trend und Exosomen in Kosmetik

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden oder entzündlichen Hautveränderungen solltest du dermatologischen Rat einholen.

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